Die Daten zeigten eine klinisch relevante Wirksamkeit und ein kontrollierbares Sicherheitsprofil für Trastuzumab Pamirtecan als Monotherapie in Patientinnen über alle immunohistochemisch (IHC)-bestimmten HER2-Expressionslevel hinweg (IHC1+, IHC2+, IHC3+)ii. Die Behandlungsergebnisse waren auch bei Patientinnen mit oder ohne vorheriger Checkpoint-Inhibitor-Behandlung konsistent. Die Daten werden heute in einem Vortrag auf der diesjährigen Jahrestagung zu Krebserkrankungen bei Frauen der Society of Gynecologic Oncology (“SGO”) in San Juan, Puerto Rico, vorgestellt.
„Gebärmutterkrebs zählt zu den wenigen Krebserkrankungen mit steigender Sterblichkeitsrate1. Insbesondere für Patientinnen mit rezidivierender Erkrankung und niedrigen HER2-Expressionsleveln besteht ein dringender Bedarf an neuen Behandlungsoptionen, da der derzeitige Chemotherapie Behandlungsstandard nur eine Ansprechrate von 15 % erzielt2“, sagte Bhavana Pothuri, M.D., medizinische Direktorin des Clinical Trial Office (CTO) und Direktorin für Forschung im Bereich gynäkologische Onkologie am NYU Langone Perlmutter Cancer Center. „Die Ergebnisse zu Trastuzumab Pamirtecan sind ermutigend, da der Kandidat über alle HER2-Level hinweg klinisch bedeutsame Behandlungsergebnisse zeigte. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Ergebnisse in einer breiten Patientenpopulation beobachtet wurden, die die klinische Praxis widerspiegelt, darunter auch Patientinnen mit vorheriger Behandlung mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor sowie Patientinnen mit viszeralen Metastasen.“
Die Analyse der Phase-2-Kohorte umfasste 145 Patientinnen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-exprimierendem Gebärmutterkrebs, deren Erkrankung nach einer Erstlinien- oder späteren Therapie fortgeschritten war. Die Kohorte erreichte ihren primären Wirksamkeitsendpunkt der objektiven Ansprechrate (objective response rate, „ORR“) untersucht bei 73 Patientinnen mit vorheriger Checkpoint-Inhibitor-Behandlung und zentraler Testung des HER2-Status und zeigte eine bestätigte Ansprechrate von 49,3 % (95 %-KI: 37,4, 61,3). Unter allen zentral getesteten Patientinnen (n=96), lag die bestätigte objektive Ansprechrate bei 47,9 % (95 %-KI: 37,6, 58,4), mit einem medianen progressionsfreien Überleben (median progression-free survival, „mPFS“) von 8,1 Monaten (95 %-KI: 5,5, 11,8).
Unter den 143 hinsichtlich der Wirksamkeit auswertbaren Patientinnen, deren HER-2 Status lokali getestet wurde, betrug die bestätigte objektive Ansprechrate 44,1 % (95 %-KI: 35,8; 52,6). Trastuzumab Pamirtecan zeigte eine durchweg ermutigende Anti-Tumor-Aktivität über alle HER2-Expressionslevel hinweg, mit vergleichbaren Ergebnissen bei lokaler oder zentraler HER2-Testung. In der Gesamtkohorte der Patientinnen mit lokaler HER2-Testung betrug die bestätigte objektive Ansprechrate 33,9 % (IHC1+) und 40,4 % (IHC2+) bei Patientinnen mit niedrigen HER2-Expressionsleveln, sowie 73,1 % (IHC3+) bei Patientinnen mit hoher HER2-Expression. Die mediane Dauer des Ansprechens (median duration of response, „mDoR“) betrug 10,3 Monate. Das mediane progressionsfreie Überleben bei allen auswertbaren Patientinnen (n=145) betrug 8,0 Monate (95 %-KI: 5,6; 8,3), unabhängig davon, ob sie zuvor mit einem Checkpoint-Inhibitor behandelt worden waren oder nicht.
Das Sicherheitsprofil war kontrollierbar und entsprach dem für gegen HER2 gerichtete ADCs zu erwartendem Profil. Die häufigsten behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse (treatment-related adverse events, „TRAEs“) waren Übelkeit niedrigen Grades, Anämie, eine verringerte Thrombozytenzahl sowie Fatigue niedrigen Grades. Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse des Grades ≥3 wurden bei 68 von 145 Patientinnen (46,9 %) berichtet. Adjudizierte Fälle von interstitieller Lungenerkrankung („ILD“) oder Pneumonitis Grades ≥3 traten bei 4,8 % der Patientinnen auf und entsprachen dem bekannten Sicherheitsprofil von HER2-gerichteten ADC-Therapien. Der Großteil der Ereignisse des Grades 3 und höher konnte durch geeignete medizinische Interventionen effektiv behandelt werden.
„Diese positiven Ergebnisse bei Patientinnen mit Gebärmutterkrebs einschließlich solcher mit niedrigen HER2-Expressionsniveaus, unterstreichen das Potenzial von Trastuzumab Pamirtecan“, sagte Prof. Dr. Özlem Türeci, Chief Medical Officer und Mitgründerin von BioNTech. „HER2 bleibt ein zentraler therapeutischer Ansatzpunkt, insbesondere bei gynäkologischen Krebserkrankungen und Brustkrebs. Wir treiben die Entwicklung von Trastuzumab Pamirtecan weiterhin konsequent voran, sowohl als Monotherapie als auch in innovativen Kombinationstherapieansätzen. Unser Ziel ist es, den erheblichen ungedeckten medizinischen Bedarf bei der Behandlung von Patientinnen mit HER2-getriebenen Tumoren zu adressieren.“
Trastuzumab Pamirtecan erhielt im Jahr 2023 den Fast-Track-Status und den Breakthrough-Therapy-Status der U.S.-amerikanischen Arzneimittelbehörde (U.S. Food and Drug Administration, „FDA“) für die Behandlung von Gebärmutterkrebs. Derzeit läuft eine globale, zulassungsrelevante Phase-3-Studie Fern-EC-01 (NCT06340568) in der die Wirksamkeit von Trastuzumab Pamirtecan als Monotherapie im Vergleich zur Chemotherapie bei vorbehandelten Patientinnen mit HER2-expremierendem, rezidivierendem Gebärmutterkrebs untersucht wird. BioNTech und DualityBio planen, vorbehaltlich der Rückmeldung der FDA, im Jahr 2026 einen Zulassungsantrag (Biologics License Application, „BLA“) einzureichen.
Über Trastuzumab Pamirtecan
Der von BioNTech und DualityBio gemeinsam entwickelte Produktkandidat Trastuzumab Pamirtecan (BNT323/DB-1303) ist ein auf einem Topoisomerase-1-Inhibitor basierendes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (antibody-drug conjugate, „ADC“) der dritten Generation. Der ADC-Kandidat richtet sich gegen den Humanen Epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2, „HER2”) und basiert auf DualityBios unternehmenseigener Plattform namens Duality Immune Toxin Antibody Conjugates („DITAC“). HER2 ist ein Protein, das auf der Oberfläche solider Tumore exprimiert und mit dem aggressiven Wachstum und der Ausbreitung von Krebszellen assoziiert wird. Präklinische Daten und vorläufige klinische Daten zu Trastuzumab Pamirtecan deuten auf das Potenzial hin, HER2-Rezeptoren auf soliden Tumoren unabhängig vom Expressionsniveau mit einem kontrollierbaren Sicherheitsprofil und einem potenziell erweiterten therapeutischen Fenster zu adressieren.
Trastuzumab Pamirtecan wird derzeit in einer laufenden Phase-1/2-Studie (NCT05150691) bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen/metastasierten soliden Tumoren und in zwei Phase-3-Studien untersucht. Fern-EC-01, eine randomisierte klinische Phase-3-Studie (NCT06340568) zur Evaluierung von Trastuzumab Pamirtecan im Vergleich zu einer vom Prüfer gewählten Monochemotherapie bei zuvor behandelten Patientinnen mit HER2-positivem fortgeschrittenem, rezidivierendem Gebärmutterkrebs, rekrutiert derzeit Patientinnen für die Studie. DYNASTY-Breast02, eine klinische Phase-3-Studie (NCT06018337), untersucht Trastuzumab Pamirtecan bei Patientinnen und Patienten mit Hormonrezeptor-positivem („HR+“) metastasiertem Brustkrebs mit niedrigen HER2-Expressionsleveln, deren Erkrankung unter Hormontherapie und/oder Cyclin-abhängiger Kinase 4/6-Therapie (cyclin-dependent kinase 4/6, „CDK4/6“) fortschritt. Die Studie ist vollständig rekrutiert und Ergebnisse werden noch in diesem Jahr erwartet.
Über die klinische Phase-1/2a-Studie
Die globale klinischen Phase-1/2a-Studie mit mehreren Kohorten (NCT05150691) untersuchte die Sicherheit und Verträglichkeit von Trastuzumab Pamirtecan bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen, HER-exprimierenden, soliden Tumoren. Kohorte 2b ist eine Phase-2-Erweiterungskohorte, in die 145 Patientinnen mit fortgeschrittenem/metastasiertem HER2-exprimierendem Gebärmutterkrebs aufgenommen wurden, deren Erkrankung nach einer Erst- und späteren Therapielinien fortgeschritten war. Der HER2-Status wurde bei allen Patientinnen durch lokale Tests bestimmt und, soweit möglich, durch zentrale Tests bestätigt. Die primären Endpunkte waren die objektive Ansprechrate bei Patientinnen mit vorangegangener Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren und HER2-Expression, die durch retrospektive zentrale Tests bestätigt wurde, sowie die Sicherheit. Zu den sekundären Endpunkten gehörten die objektive Ansprechrate (objective response rate, „ORR“), die Dauer des Ansprechens (duration of response, „DoR“), die Krankheitskontrollrate (disease control rate, „DCR“), das progressionsfreie Überleben (progression-free survival, „PFS“) und das Gesamtüberleben (overall survival, „OS“).
i Zentrale Testung bezeichnet die Analyse der HER2-Expressionslevel, die in einem einzigen, dafür vorgesehenen Labor durchgeführt wird, während die lokale Testung die Analyse direkt am jeweiligen Studienzentrum der Patientin bezeichnet.
ii HER2-Expressionslevel in der Immunhistochemie („IHC“): IHC1+ = niedrige Expression, IHC2+ = moderate Expression, IHC3+ = hohe Expression.
1 National Cancer Institute. Cancer Stat Facts: Uterine Cancer. https://seer.cancer.gov/statfacts/html/corp.html. Accessed March 17, 2026.
2 Makker V, et al. J Clin Oncol. 2023 Apr 14;41(16):2904–2910.