Corona-Risiko bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Menschen mit bestimmten Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) zählen zu den Personengruppen mit einem erhöhten Corona-Risiko. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche ZNS-Erkrankungen dieses Risiko beeinflussen, warum das so ist und welche Schutzmaßnahmen Sie ergreifen können. Zudem erhalten Sie Informationen zu Long COVID sowie möglichen neurologischen Langzeitfolgen nach einer Coronavirus-Infektion.

Zusammenfassung:
  • Menschen mit bestimmten Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) wie Multipler Sklerose, Demenz, geistigen Behinderungen, psychiatrischen Erkrankungen oder zerebrovaskulären Erkrankungen wie Schlaganfall haben ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe.
  • Das Corona-Risiko wird bei ZNS-Erkrankungen durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter ein geschwächtes Immunsystem, eingeschränkte Lungenfunktion, Immobilität sowie erschwerte Umsetzung von Schutzmaßnahmen im Alltag.
  • Die STIKO empfiehlt Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems eine jährliche Corona-Schutzimpfung, um das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe und mögliche Langzeitfolgen wie Long COVID zu verringern.
Frau mit Schlaganfall sitzt in ihrem Rollstuhl im Park und lächelt in die Kamera. Einige neurologische Erkrankungen können das Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf erhöhen.

Erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe bei ZNS-Erkrankungen

In Deutschland werden über 25 Millionen Menschen aufgrund eines höheren Lebensalters oder bestimmter Vorerkrankungen einer Corona-Risikogruppe zugerechnet. Das entspricht etwa jeder dritten Person. Dazu gehören auch einige Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS), die mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf verbunden sind.

 

Zu dieser Risikogruppe gehören Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen, wie beispielsweise Multipler Sklerose, mit Demenzerkrankungen, wie der Alzheimer-Krankheit, geistigen Behinderungen, psychiatrischen Erkrankungen, wie Depressionen, oder mit sogenannten zerebrovaskulären Erkrankungen – das sind Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn, zu denen u. a. der Schlaganfall zählt.

Welche ZNS-Erkrankungen können das Corona-Risiko beeinflussen?

Ältere Frau mit Demenz lächelt Arm in Arm mit ihrer Betreuerin. Menschen mit Demenz haben ein erhöhtes Risiko für eine Corona-Ansteckung und schwere Verläufe.

Multiple Sklerose

Menschen mit Multipler Sklerose (MS) können ein erhöhtes Corona-Risiko haben. Insbesondere bei hohem Behinderungsgrad, Immobilität und schlechter Lungenbelüftung ist das Risiko für schwere Atemwegsinfekte erhöht. Zusätzlich können manche Arzneimittel, die bei MS zum Einsatz kommen und das Immunsystem beeinflussen (Immunsuppressiva), die Immunabwehr schwächen und das Risiko für Infektionen und schwere Corona-Krankheitsverläufe erhöhen.

 

Demenz

Auch Menschen mit Demenz haben ein erhöhtes Corona-Risiko. Viele Betroffene sind im höheren Lebensalter, das als eigenständiger Risikofaktor für schwere Corona-Krankheitsverläufe gilt. Zudem können sie die Situation oft nicht vollständig erfassen und Schutzmaßnahmen wie Hygiene- oder Abstandsregeln nur eingeschränkt umsetzen. Dadurch steigt neben dem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf auch das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus.

Geistige Behinderung

Menschen mit geistiger Behinderung sind häufig aufgrund ihrer Wohnsituation in stationären Wohneinrichtungen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Manche Behinderungen sind mit einer schlechteren Funktion des Immunsystems verbunden und Atemwegserkrankungen, psychiatrische Erkrankungen und ein frühes Auftreten von Demenz sind bei dieser Personengruppe häufiger. Diese Faktoren erhöhten das Risiko für einen schweren Verlauf der Corona-Erkrankung.

Psychiatrische Erkrankungen
Psychiatrische Erkrankungen, wie Depression, bipolare Störung oder Schizophrenie, sind mit einem erhöhten Risiko für eine schweren Verlauf der Corona-Erkrankung verbunden. Darüber hinaus war das Infektionsrisiko bei Menschen mit schweren psychiatrischen Erkrankungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung höher. Untersuchungen zeigten, dass Personen mit psychiatrischen Vorerkrankungen mit höherer Wahrscheinlichkeit an Long COVID erkrankten.

Schlaganfall
Studiendaten zeigten, dass Menschen mit einem Schlaganfall in der Vorgeschichte ein etwa 2,5-fach höheres Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf hatten. Als mögliche Ursachen werden unter anderem schlaganfallbedingte Funktionseinschränkungen, eine verminderte Mobilität sowie weitere Begleiterkrankungen diskutiert, da sie die Belüftung der Lunge beeinträchtigen können. Ob und in welchem Ausmaß diese Faktoren zum erhöhten Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf beitragen, ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Neurologische Langzeitfolgen und Long COVID

Nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion berichten viele Betroffenen von anhaltenden Beschwerden, man spricht von Long COVID. Zu den häufigen Symptomen von Long COVID zählen unter anderem auch neurologische Symptome wie Erschöpfung (Fatigue), Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns und/oder Schwindel. Mögliche Spätfolgen der Corona-Erkrankung können auch Menschen betreffen, die zuvor keine Erkrankungen des zentralen Nervensystems hatten. Sie treten jedoch häufiger auf bei Personen mit psychiatrischen Vorerkrankungen und nach schweren Corona-Krankheitsverläufen.

Patientin mit neurologischer Erkrankungen wird von ihrer Ärztin hinsichtlich der Vorbeugung von schweren Corona-Krankheitsverläufen beraten.

Corona-Risiko senken – für Menschen mit ZNS-Erkrankungen

Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems können ihr Corona-Risiko verringern, indem sie aktiv mit ihrem behandelnden Arzt bzw. ihrer behandelnden Ärztin zusammenarbeiten und empfohlene Schutzmaßnahmen berücksichtigen.

  • Für Menschen mit ZNS-Erkrankungen ist es besonders wichtig, eine Corona-Ansteckung zu vermeiden.  Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite Corona vorbeugen.
  • Um das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe und mögliche Langzeitfolgen wie Long COVID zu senken, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Menschen mit ZNS-Erkrankungen eine jährliche Corona-Schutzimpfung.
  • Die Impfung sollte mit einem an die aktuelle Virusvariante angepassten Impfstoff erfolgen – idealerweise ab Spätsommer/Frühherbst. Auch vor Reisen kann es sinnvoll sein, den Impfschutz zu überprüfen und bei Bedarf aufzufrischen.

Häufige Fragen zum Corona-Risiko bei ZNS-Erkrankungen

Menschen mit bestimmten Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) können ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe haben. Gründe dafür sind unter anderem eine eingeschränkte Lungenfunktion, ein geschwächtes Immunsystem oder zusätzliche Risikofaktoren wie höheres Alter oder Begleiterkrankungen.

Neurologische Erkrankungen werden mit einem erhöhten Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe in Verbindung gebracht. Zu den neurologischen Erkrankungen zählen unter anderem:

  • Demenz
  • Geistige Behinderung
  • Alzheimer-Krankheit
  • Parkinson-Krankheit
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Chorea Huntington (Veitstanz)
  • Myasthenia gravis
  • Guillain-Barré-Syndrom
  • Epilepsie
  • Depression
  • Schizophrenie
  • Bipolare Störung/manisch-depressive Erkrankung
  • Schwere Persönlichkeitsstörungen, schwere Angststörungen, schwere Ess- und Zwangsstörungen, schwere Suchterkrankungen

Die hier aufgeführten Erkrankungen sind Beispiele für neurologische Erkrankungen. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und nicht für alle genannten Erkrankungen liegen spezifische Daten zum Corona-Risiko vor. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über Ihr individuelles Corona-Risiko.

Menschen mit Demenz gehören häufig zu älteren Altersgruppen, die generell ein höheres Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe haben. Zudem können sie Schutzmaßnahmen wie Hygiene- oder Abstandsregeln oft nur eingeschränkt umsetzen, wodurch auch das Risiko für eine Ansteckung mit dem Coronavirus steigen kann.

Bei bestehenden neurologischen Erkrankungen kann eine Coronavirus-Infektion schwerer verlaufen. Zudem können im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung anhaltende Beschwerden im Rahmen von Long COVID auftreten. Dazu zählen unter anderem neurologische Symptome wie Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schwindel oder ein Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns.

Weitere Informationen zu Long COVID finden Sie hier

Ja. Neurologische Langzeitfolgen nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion können auch bei Menschen auftreten, die zuvor keine Erkrankung des zentralen Nervensystems hatten. Sie werden jedoch häufiger nach schweren Corona-Krankheitsverläufen beobachtet.

Corona-Schutzimpfungen können das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe und mögliche Langzeitfolgen wie Long COVID verringern. Für Personen mit ZNS-Erkrankungen wird eine jährliche Corona-Schutzimpfung mit einem an die aktuelle Virusvariante angepassten Impfstoff empfohlen. 

Weitere Informationen zur Corona-Schutzimpfung finden Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Corona-Risko bei ZNS-Erkrankungen

Auf den Webseiten der Deutschen Hirnstiftung und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft finden Sie ausführliche Informationen zum Corona-Risiko bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems und zur empfohlenen Corona-Vorsorge.

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Medizinisch geprüft am 15.08.2026

Quellen