Corona-Risiko bei chronischen Leber- und Nierenerkrankungen

Menschen mit bestimmten chronischen Leber- und Nierenerkrankungen zählen zu den Personengruppen mit einem erhöhten Corona-Risiko. Auf dieser Seite erfahren Sie, warum das so ist, welche Maßnahmen Sie zum Schutz vor schweren Corona-Krankheitsverläufen ergreifen können und welche Rolle das sogenannte ACE2-Protein bei Coronavirus-Infektionen spielt.

Zusammenfassung:
  • Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen können ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe haben, insbesondere bei fortgeschrittener Leberzirrhose, nach Transplantationen oder bei eingeschränkter Nierenfunktion.
  • Bei chronischen Leber- und Nierenerkrankungen kann sich der Gesundheitszustand infolge einer Coronavirus-Infektion verschlechtern.
  • Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion haben ein fast doppelt so hohes Risiko, wegen einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus behandelt zu werden.
  • Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen eine jährliche Corona-Schutzimpfung, um das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe und mögliche Langzeitfolgen wie Long COVID zu verringern.
Älterer Mann sitzt nachdenklich im Zug und schaut aus dem Fenster – sinnbildlich für Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe haben.

Erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe

In Deutschland werden über 25 Millionen Menschen aufgrund eines höheren Lebensalters oder bestimmter Vorerkrankungen einer Corona-Risikogruppe zugerechnet. Das entspricht etwa jeder dritten Person. Dazu gehören auch Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen, wie zum Beispiel Nierenversagen, Leberzirrhose (Schrumpfleber) oder Fettleber. Bei ihnen ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf im Fall einer Coronavirus-Infektion erhöht. 

Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen stecken sich nicht öfter mit dem Coronavirus an als andere. Kommt es jedoch zu einer Coronavirus-Infektion, kann die Erkrankung schwerer verlaufen.

Insbesondere bei Personen mit fortgeschrittener Leberzirrhose oder nach einer Lebertransplantation kann das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe erhöht sein. Bei ihnen ist das Immunsystem oft geschwächt und kann das Coronavirus häufig nicht so wirkungsvoll abwehren und kontrollieren.

Ältere Frau mit chronischer Lebererkrankung liegt erschöpft auf dem Sofa. Menschen mit chronischen Lebererkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe.

Corona-Risiko bei chronischen Lebererkrankungen

Bei fast der Hälfte der Menschen mit einer Lebererkrankung kommt es aufgrund einer Coronavirus-Infektion zu einer plötzlichen Verschlechterung der Lebererkrankung. Typische Anzeichen sind neu auftretende oder sich verschlimmernde Wassereinlagerungen im Bauchraum sowie eine Verschlechterung der Gehirnfunktion aufgrund der Lebererkrankung. Wichtig zu wissen ist: Diese Verschlechterungen können auch ohne typische Atemwegssymptome auftreten.

Mögliches Risiko und Folgen einer Coronavirus-Infektion bei chronischen Lebererkrankungen:

  • Grundsätzlich hängt das individuelle Corona-Risiko bei chronischen Lebererkrankungen davon ab, wie stark die Leber bereits vorgeschädigt ist – etwa durch eine Fibrose (Bindegewebsvermehrung) oder eine fortgeschrittene Vernarbung (Zirrhose).
  • Bei einer Leberzirrhose kann sich infolge einer Coronavirus-Infektion der Gesundheitszustand zunehmend verschlechtern. Mögliche Folgen der Infektion sind Wassereinlagerungen im Bauchraum (Aszites), Störungen der Gehirnfunktion (hepatische Enzephalopathie) oder in schweren Fällen ein akutes Leberversagen.
  • Bei Patientinnen und Patienten mit einer Fettleber, die durch Alkohol verursacht ist, ist das Risiko für einen schweren Verlauf der Corona-Erkrankung von Begleiterkrankungen wie z. B. Diabetes, Bluthochdruck oder starkem Übergewicht abhängig. Diese zählen zu den wichtigen Risikofaktoren für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf.

ACE2-Protein und Coronavirus-Infektion bei Lebererkrankungen

Das Coronavirus gelangt in unsere Zellen, indem es an ein bestimmtes Eiweiß auf der Zelloberfläche bindet – das sogenannte ACE2-Protein. Dieses Protein ist nicht nur in der Lunge vorhanden, sondern auch in anderen Organen, insbesondere der Leber. Bei Menschen mit entzündlichen Formen der Fettleber sowie bei starkem Übergewicht ist die Menge dieses Proteins erhöht und kann zum erhöhten Risiko dieser Personengruppe für schwere Corona-Krankheitsverläufe beitragen.

Ein Mann stützt die Hände in schmerzenden Rücken. Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe.

Corona-Risiko bei chronischen Nierenerkrankungen

Auch bei chronischen Nierenerkrankungen wie der Niereninsuffizienz kann es zu einem schweren Corona-Krankheitsverlauf kommen. Laut Robert Koch-Institut haben Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion gegenüber Menschen mit gesunder Niere ein fast doppelt so hohes Risiko, wegen einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus behandelt zu werden.

 

Menschen mit chronischer Nierenerkrankung sind nicht selten älter und haben weitere Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Diese Begleiterkrankungen können das Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf zusätzlich erhöhen. Insbesondere Menschen, die nach einer Nierentransplantation immunsuppressive Medikamente einnehmen, können ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe haben.

Corona-Risiko senken – für Menschen mit chron. Leber- und Nierenerkrankungen

Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen können ihr Corona-Risiko verringern, indem sie aktiv mit ihrem behandelnden Arzt bzw. ihrer behandelnden Ärztin zusammenarbeiten und empfohlene Schutzmaßnahmen berücksichtigen.

  • Menschen mit chronischer Leber- oder Nierenerkrankung wird eine jährliche Corona-Schutzimpfung empfohlen.
  • Menschen, die wegen Autoimmunerkrankungen oder einer Nieren- oder Lebertransplantation Immunsuppressiva einnehmen, sollten diese Medikamente nicht eigenständig absetzen oder in der Dosierung verändern. Sprechen Sie Änderungen der Therapie immer mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt ab.
Frau zeigt das Pflaster über ihrer Schutzimpfung. Die STIKO empfiehlt eine jährliche Corona-Schutzimpfung für Menschen mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen.

Corona-Schutzimpfung bei chron. Leber- und Nierenerkrankung

Um das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe und mögliche Langzeitfolgen zu verringern, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine jährliche Corona-Schutzimpfung für alle Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen – unabhängig davon, ob weitere Risikofaktoren vorliegen.

 

Die Impfung sollte mit einem an die aktuelle Virusvariante angepassten Impfstoff erfolgen – idealerweise ab Spätsommer/Frühherbst. Auch vor Reisen kann es sinnvoll sein, den Impfschutz zu überprüfen und bei Bedarf aufzufrischen.

 

Da der Impfschutz bei einem geschwächten Immunsystem oft schneller nachlässt, sollten sich Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen individuell zum Thema Corona-Schutzimpfung beraten lassen.


Häufige Fragen zum Corona-Risiko bei chronischen Leber- und Nierenerkrankungen

Menschen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen stecken sich in der Regel nicht öfter mit dem Coronavirus an als andere. Kommt es jedoch zu einer Infektion, kann die Corona-Erkrankung oftmals schwerer verlaufen. Gründe dafür sind unter anderem eine eingeschränkte Organfunktion und ein häufig geschwächtes Immunsystem, wodurch der Körper Infektionen weniger effektiv abwehren kann.

Chronische Leber- und Nierenerkrankungen werden mit einem erhöhten Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe in Verbindung gebracht. Zu den chronischen Leber- und Nierenerkrankungen zählen unter anderem:

  • Chronische Hepatitis (Leberentzündung)
  • Fettleber
  • Leberzirrhose
  • Entzündung der Gallengänge
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
  • Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit)
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Nephritis (Wiederkehrende Entzündungen der Nieren)
  • Zystennieren

Die hier aufgeführten Erkrankungen sind Beispiele für chronische Leber- und Nierenerkrankungen. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und nicht für alle genannten Erkrankungen liegen spezifische Daten zum Corona-Risiko vor. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über Ihr individuelles Corona-Risiko.

Bei Menschen mit chronischen Lebererkrankungen kann sich der Gesundheitszustand im Rahmen einer Coronavirus-Infektion verschlechtern. Dazu zählen unter anderem Wassereinlagerungen im Bauchraum oder Störungen der Gehirnfunktion. In schweren Fällen kann es auch zu einem akuten Leberversagen kommen.

Das Coronavirus nutzt das sogenannte ACE2-Protein, um in Körperzellen einzudringen. Dieses Protein kommt auch in der Leber vor. Bei bestimmten chronischen Lebererkrankungen kann das ACE2-Protein vermehrt vorhanden sein und so zu einem erhöhten Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe beitragen.

Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe. Studien zeigten, dass sie im Vergleich zu Personen mit gesunder Niere öfter im Krankenhaus behandelt werden mussten. Besonders hoch ist das Risiko bei eingeschränkter Nierenfunktion oder nach einer Nierentransplantation.

Das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe kann weiter steigen, wenn zusätzliche Faktoren vorliegen, wie ein höheres Lebensalter oder Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder starkes Übergewicht. Auch die Schwere der Grunderkrankung spielt eine wichtige Rolle.

Corona-Schutzimpfungen können das Risiko für schwere Corona-Krankheitsverläufe und mögliche Langzeitfolgen wie Long COVID verringern. Für Personen mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen wird eine jährliche Corona-Schutzimpfung mit einem an die aktuelle Virusvariante angepassten Impfstoff empfohlen. Da der Impfschutz bei einem geschwächten Immunsystem oft schneller nachlässt, wird für Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen, eine individuelle Beratung zur Corona-Schutzimpfung empfohlen.

Weitere Informationen zur Corona-Schutzimpfung finden Sie hier

Weiterführende Informationen zum Corona-Risko bei chron. Leber- und Nierenerkrankungen

Auf den Webseiten der Deutschen Leberhilfe und des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) finden Sie ausführliche Informationen zum Corona-Risiko bei chronischen Leber- und Nierenerkrankungen und zur empfohlenen Corona-Vorsorge.

Jetzt Termin zur Impfberatung finden

Eine persönliche Beratung zum individuellen Corona-Risiko und zu empfohlenen Schutzimpfungen ist jederzeit möglich, insbesondere ab Spätsommer/Frühherbst. Impfberatung und Corona-Schutzimpfungen werden von Hausärztinnen und Hausärzten sowie über 1.600 Apotheken angeboten. Termine können online über Doctolib oder ApoGuide vereinbart werden.

So finden Sie Ihren Termin in nur 3 einfachen Schritten

Schritt 1

Zuerst klicken Sie unten auf den passenden Anbieter: Doctolib für eine Arztpraxis oder ApoGuide für eine impfende Apotheke in Ihrer Nähe.

Schritt 2
Danach geben Sie Ihre Adresse ein, um Praxen oder Apotheken in Ihrer Nähe anzuzeigen, und wählen eine passende Anlaufstelle für Ihre Impfberatung aus.

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Medizinisch geprüft am 15.08.2026

Quellen